Während ich dies schreibe, ist gerade wieder einmal Luftalarm in Lviv in der westlichen Ukraine. Die Alarm-App, die ich bei meinen Besuchen in dieser Stadt nutze, lasse ich auch in Deutschland aktiv. Ich will wissen, wie es vor Ort gerade aussieht, wie es den Menschen dort gerade geht, auch wenn die Ohnmachtsgefühle fast unerträglich sind, wenn man auf der in der App enthaltenen Karte live verfolgen kann, wo die russischen Drohnen und Raketen gerade unterwegs sind. Dazu kommt die aktuelle Abwendung der USA (bzw. ihres Präsidenten) von der Ukraine („im Stich lassen“ ist da schon fast zu harmlos ausgedrückt). Umso bewundernswerter ist es immer wieder zu erleben, wie unerschrocken und konsequent die Menschen in Lviv an der Zukunft ihrer Stadt arbeiten (ein Luftalarm hält sie auch nicht davon ab, einen Online-Termin wahrzunehmen). Der FAZ hat Anton Kolomieitsev, der Chefarchitekt und oberste Stadtplaner von Lviv, ein sehr schönes Interview gegeben, in dem er eindrücklich die Situation in seiner Stadt und seine Arbeit beschreibt: Wiederaufbau von Lwiw nach dem Krieg: Ein Gespräch mit Anton Kolomieitsev | FAZ (der Artikel ist leider kostenpflichtig). In dem Interview wird auch das spannende Stadtentwicklungsprojekt „Lviv North“ erwähnt, bei dem ich die Stadt unterstützen darf und von dem ich schon öfter berichtet habe. Dazu gibt es mittlerweile auch auf Englisch viele Informationen online: Lviv North
Das Thema Resilienz, das mich nicht nur im Kontext mit der Ukraine momentan viel beschäftigt, hat gerade Konjunktur, auf das Thema Klima bezogen sicher auch wegen des denkwürdig trockenen und heißen Sommers – aber es geht dabei um mehr. Das war auch Teil eines Workshops beim European Forum Alpbach (European Forum Alpbach | Home) in Tirol Ende August zum Thema „triple integration“, zu dem ich eingeladen war. 30 Menschen aus ganz Europa mit einer großen Bandbreite an Kompetenzen und Erfahrungen haben sich dort intensiv darüber ausgetauscht, wie beim notwendigen klimabedingten Transformationsprozess in unseren Städten die Aspekte Klimaanpassung, Minderung der CO2-Emissionen und CO2-Abbau in der Atmosphäre besser verknüpft werden können. Eine der vielen wichtigen Erkenntnisse: Es geht nicht nur um die fachlich-technischen Aspekte, es geht vor allem auch um die dazugehörigen Prozesse und Governance-Themen, die viel mit Beteiligung, Kommunikation, neuen Akteursallianzen, positiven Narrativen, Verwaltungsstrukturen und konsistentem politischen Handeln zu tun haben. Die „key learnings“ finden sich hier: DUT at the European Forum Alpbach | dut
Von da ist es nicht weit bis zur kulturellen Dimension des Mobilitätswandels mit all ihren Facetten und der zentralen Frage, wie (frei nach Lucius Burckhardt) „das Neue in die Welt kommt“. Wie kommen wir von der Veränderungsmüdigkeit (Steffen Mau) zum Veränderungsmut (und wecken die latent durchaus vorhandene Veränderungsbereitschaft)? Darum ging es Ende September bei der ausgesprochen spannenden Jahrestagung der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) in Nürnberg unter der Überschrift „Menschen und Räume in Bewegung – Eine andere Kultur der Mobilität als Basis für sozialen Zusammenhalt“, bei der ich bei einer Paneldiskussion mitwirken und den Beitrag der Landesgruppe Berlin-Brandenburg mitgestalten durfte. Ein Rückblick auf die Tagung findet sich unter DASL Jahrestagung 2026 – Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL), meine persönlichen Eindrücke habe ich in diesem LinkedIn-Post zusammengefasst: (1) Posten | LinkedIn
Auch von der Internationalen Bauausstellung (IBA) „Räume der Mobilität“ der Metropolregion München gibt es Neues zu berichten: Das Kuratorium, dem ich angehöre, hat vor zwei Wochen neue Projektkandidaten gekürt, die beim großen IBA-M-Forum Anfang Dezember vorgestellt werden (Programm und Anmeldung hier: IBA-M-Forum 2026 – Internationale Bauausstellung Metropolregion München). Besonders spannend fand ich aber die „IBA-Netzwerkstatt“ zu Bahnhofsquartieren im September in Fürstenfeldbruck, bei der ich als Kuratoriumsmitglied und externer Experte dabei war. Bahnhofsquartiere sind mehr als Mobilitätsdrehscheiben – sie sind Kristallisationspunkte der Stadtentwicklung und können für die nachhaltige Transformation unserer Städte und Gemeinden eine zentrale Bedeutung haben. Sechs Städte aus der Metropolregion haben unter dem Dach der IBA ein Netzwerk zu diesem Thema gegründet. Mehr dazu hier: Warum Bahnhofsumfelder oft vernachlässigt sind – und wie sie besser werden – Internationale Bauausstellung Metropolregion München
Zum Schluss noch ein Lesetipp: Ebenfalls in diesem ereignisreichen September fand in Berlin der Verbandstags des Bundesverbands Stadtentwicklung und Wohnen vhw statt, unter der Überschrift „Ans Übermorgen denken – Kommunen stärken, Städte verwandeln“ mit spannenden Vorträgen und Diskussionen. Die begleitende Ausgabe der vhw-Verbandszeitschrift „Forum Stadtentwicklung und Wohnen“ spiegelt diese Diskussion hervorragend wieder, mit Beiträgen u. a. von Uwe Schneidewind, Peter Kurz, Frauke Burgdorff und Detlef Kurth – und auch hier spielt Resilienz wieder eine Rolle. Hier geht’s zum kostenlosen Download: fws-5-2026-gesamtausgabe.pdf
Es gibt noch viele andere Neuigkeiten, aber die spare ich mir für meinen nächsten Newsletter auf (voraussichtlich kurz vor Weihnachten).
Bis dahin wünsche ich schöne Herbsttage, herzliche Grüße,
Ihr/Euer Burkhard Horn